| Tango Argentino . . . einmal ganz anders | ||
| Miriam Fernandez und Julien Lapeyre, Virtuosen mit Gitarre und Violine, präsentierten in der Büsinger Bergkirche Tango Nuevo. Man konnte durchaus das Gefühl haben, auf einer Zeitreise zurück zur Jahrhundertwende um 1900 zu sein, als der Tango von Südamerika nach Europa übergeschwappt war und die Menschen die Ballsäle stürmten, um sich ganz dieser neuartigen Musikrichtung und dem dazugehörenden Tanz hinzugeben. An einem Spätnachmittag war es kürzlich ganz ähnlich, wenn auch nicht ganz so spektakulär: Tango Argentino war angesagt. In Scharen pilgerten Tangofreunde den Hügel zur Büsinger Bergkirche hinauf. Und das, obwohl in unserer Region herrlichstes Badewetter herrschte und viele Veranstaltungen lockten. Ausserdem flimmerte gleichzeitig auch noch der WM-Fussballklassiker Deutschland gegen England über den Bildschirm. In seinen Einführungsworten freute sich denn auch Michael Psczolla, Präsident der «Musikfreunde Bergkirche Büsingen», über den überaus zahlreichen Besuch. |
Bild Antonio Anta Brink |
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| Humorvoll kündete er an, dass er aber nicht daran denke, mit der Bekanntgabe von Zwischenergebnissen des Fussballspiels das Konzert zu stören. Das Stichwort war gefallen: Konzert denn dafür waren die Zuhörerinnen und Zuhörer schliesslich gekommen. Wer Tango sagt, denkt zunächst unwillkürlich an die eigenen ersten Tanzstunden. Wange an Wange und eng umschlungen spürte man den heissen Atem des Tanzpartners. Im Tango getanzte Gefühle beinhalten eben einfach alles: Lebensfreude, Trauer, Erotik, Leidenschaft, Liebe, Rhythmik und Melancholie. Und gerade deshalb empfand die «bessere Gesellschaft», so wie Oma und Opa übrigens auch, den Tanz als unschicklich: «So etwas tanzt man nicht!» Der deutsche Kaiser Wilhelm II. soll seinen Offizieren den Tangotanz sogar verboten haben. Vielleicht wollte Komponist Astor Piazzolla den Tango von diesem Negativbild befreien. Als erster zeitgenössischer Komponist gestorben 1992 vereinte er Jazz, Rock und Klassik mit dem Tango und hievte ihn als Tango Nuevo auf Konzertsaalniveau. Genau diesen Tango Nuevo brachten die beiden jungen Interpreten in der Bergkirche zu Gehör. Die Argentinierin Miriam Fernandez mit der Gitarre und der Franzose Julien Lapeyre mit der Violine sind keine Frage preisgekrönte Virtuosen auf ihren Instrumenten. Sie spielten zehn Werke der zeitgenössischen Komponisten Astor Piazzolla, Julio de Caro und Celso Machado. Trotz ungewohnter, aber gewollter Dissonanzen und eingefügter Improvisationspassagen und trotz überraschender Tempowechsel blieb das Flair des traditionellen Tangos erhalten. Aber kann man diesen Tango Nuevo auch tanzen? Die Frage bleibt offen. Am Schluss setzten die beiden Interpreten ihrem gelungenen Konzert als Zugabe ein Sahnehäubchen auf: einen klassischen Tango Argentino. So, wie ihn jeder kennt, liebt und tanzt. Brausender Applaus verabschiedete schliesslich die beiden Tonkünstler. | ||